JAPANS TOURISMUSINDUSTRIE VON CORONA STARK BETROFFEN

TOKIO – Die Corona-Epidemie hat die Welt in eine beispiellose Krise gestürzt, die alle Bereiche des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens betrifft. Besonders hart hat es die Tourismusbranche getroffen, die von Reisebeschränkungen, Lockdowns und Sicherheitsmaßnahmen stark eingeschränkt wurde. Wie hat sich die Situation in Japan entwickelt, einem Land, das vor der Pandemie einen Boom im internationalen Tourismus erlebte?

Japan ist eines der beliebtesten Reiseziele in Asien und weltweit. Im Jahr 2019 verzeichnete das Land einen neuen Rekord von 31,9 Millionen ausländischen Besuchern, die 4,8 Billionen Yen (etwa 37 Milliarden Euro) an Tourismuseinnahmen generierten. Japan hatte sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 die Zahl der Touristen auf 40 Millionen zu erhöhen und bis 2030 auf 60 Millionen zu verdoppeln. Die Olympischen und Paralympischen Spiele in Tokio sollten dabei als Katalysator dienen.

Doch dann kam die Corona-Epidemie und machte alle Pläne zunichte. Seit März 2020 hat Japan seine Grenzen für ausländische Touristen weitgehend geschlossen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Die Olympischen Spiele wurden um ein Jahr verschoben und fanden schließlich ohne Zuschauer statt. Die Folgen für die Tourismusindustrie waren verheerend: Im Jahr 2020 brach die Zahl der ausländischen Besucher um 87,1 Prozent auf nur noch 4,1 Millionen ein, die niedrigste Zahl seit 1998. Die Tourismuseinnahmen sanken um 85 Prozent auf 715 Milliarden Yen (etwa 5,5 Milliarden Euro).

Auch der Inlandstourismus litt unter den Auswirkungen der Pandemie. Obwohl Japan keine landesweiten Lockdowns verhängte, rief die Regierung mehrmals den Notstand aus und empfahl den Bürgern, auf nicht notwendige Reisen zu verzichten. Um die heimische Tourismusindustrie zu unterstützen, startete die Regierung im Juli 2020 eine umstrittene Kampagne namens „Go To Travel“, die Reisenden Rabatte von bis zu 50 Prozent auf Ãœbernachtungen, Transport und Aktivitäten gewährte. Die Kampagne war jedoch von Anfang an mit Kritik konfrontiert, da sie das Risiko einer weiteren Verbreitung des Virus erhöhte. Im Dezember 2020 wurde die Kampagne schließlich ausgesetzt, nachdem Japan einen starken Anstieg der Infektionszahlen verzeichnete.

Wie sieht die Zukunft des Tourismus in Japan aus? Das hängt vor allem davon ab, wie sich die Pandemie weiterentwickelt und wie schnell Japan seine Impfkampagne vorantreibt. Bisher hat Japan nur etwa 70 Prozent seiner Bevölkerung vollständig geimpft, was im internationalen Vergleich relativ niedrig ist. Die Regierung plant jedoch, ab November wieder einige ausgewählte Länder für den Tourismus zu öffnen, unter strengen Auflagen wie negativen Tests und Quarantäne. Zudem will Japan seine Bemühungen verstärken, den Inlandstourismus wiederzubeleben, sobald sich die Lage stabilisiert.

Es ist jedoch fraglich, ob Japan an seine früheren Erfolge im Tourismus anknüpfen kann oder ob sich die Präferenzen und Erwartungen der Reisenden nach der Pandemie verändert haben. Japan wird sich möglicherweise neuen Herausforderungen stellen müssen, wie zum Beispiel dem Wettbewerb mit anderen Destinationen, dem Umweltschutz oder der Digitalisierung. Um diese Herausforderungen zu meistern, wird Japan seine Stärken ausspielen müssen, wie zum Beispiel seine kulturelle Vielfalt, seine Gastfreundschaft oder seine Innovationen.